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Wohnen, wo man gerne Doppelkopf spielt

Barbara Steffens, NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und
Alter im Gespräch mit der GAZ*
Von Ralf Bröker

•    Interesse an Betreutem Wohnen in Genossenschaften steigt
•    Studie will motivieren, Angebot zu erweitern
•    NRW-Ministerin Steffen hat demografischen Wandel im Blick

Immer mehr Senioren interessieren sich für Projekte des Betreuten Wohnens. Wer zugleich die Vorteile einer Genossenschaft nutzen möchte, kommt derzeit allerdings noch mit großer Wahrscheinlichkeit zuerst auf eine Warteliste: 90 Prozent der Wohnungen in genossenschaftlichen Projekten des Betreuten Wohnens vergeben. Leerstand gibt es nur während eines Bewohnerwechsels. Zwischen sechs Monaten bis zu vier Jahre warten Interessenten auf eine barrierefreie Wohnung mit Betreuungsangebot. Um die Situation zu entspannen, müssten weitere Wohnungsgenossenschaften motiviert werden, Betreutes Wohnen anzubieten.

Und genau das will die neue Studie über Wohnungsgenossenschaften in NRW. Vorgestellt wurde sie jetzt von Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter in Nordrhein-Westfalen. Ebenfalls an dem Projekt beteiligt: der VdW Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen, der Verein Wohnen in Genossenschaften und das Kuratorium Betreutes Wohnen NRW. Im Rahmen der Düsseldorf REHACARE wurden weitere Details der Studie des Forschungsinstituts InWIS bekannt: GAZ-Redakteur Ralf Bröker sprach mit Ministerin Barbara Steffens:

Warum interessieren sich immer mehr ältere Menschen für Betreutes Wohnen in genossenschaftlichen Projekten?
Steffens: Vor dem Hintergrund einer älter werdenden Bevölkerung schaffen Wohnungsgenossenschaften mit ihrem höheren Wohnungsbestand besondere Möglichkeiten: durch Ausbau, durch Umbau und durch Angebote von Betreutem Wohnen. Sie geben damit vielen älteren Menschen die Möglichkeit, im eigenen Quartier zu leben – auch wenn sie schon nicht mehr in ihrer eigenen Wohnung bleiben können.

Die Studie will auch weitere Genossenschaften motivieren, Betreutes Wohnen anzubieten. Aber ist sie auch für Senioren interessant, die jetzt ein barrierefreies Zuhause plus Betreuungsangebot suchen?
Steffens: Wir wollen Menschen motivieren, sich selber Gedanken dazu zu machen:Wie will ich alt werden? Wie will ich leben? Und wir wollten auch Eigentümer, Genossenschaften und andere dazu motivieren, aktiv zu werden. Wir müssen uns schließlich auf diese demografische Entwicklung einstellen und brauchen andere Konzepte. Also, ja! Wenn Menschen jetzt etwas suchen, sollen sie sich auch ruhig an ihre Genossenschaft wende

Wie könnte so ein Konzept aussehen?
Steffens: Wichtig dabei ist, dass es nicht nur darum geht, wie man an barrierefreien Wohnraum kommt. Die Frage nach Versorgungs- und Pflegeangeboten ist genau so wichtig. All dies muss sich am individuellen Bedarf ausrichten. Dafür ist die Studie ein wichtiger Schritt und ein Baustein von vielen, den wir brauchen.

Wie begegnet die Studie kritischen Lesern, die sich mit dem Schritt ins
Betreute Wohnen nicht so schnell anfreunden können?
Steffens: Es werden ganz konkrete Beispiele vorgestellt. Menschen, die noch im Zweifel sind, ob sie sich für ein genossenschaftliches Projekt entscheiden sollen, können sich darin erst einlesen und dann einfach hinfahren. Sie können sich Projekte die schon funktionieren anschauen. Das macht auch Entscheidungen zu einem späteren Zeitpunkt leichter, wenn nicht nur eine theoretische, sondern eine praktische Vorstellung vorhanden ist, wie ein solches Zukunftsmodell aussehen kann.

In der Einleitung zu der Studie stellen Sie dem Leser und damit letztendlich allen Bürgern zwei Fragen. Die erste heißt: „Wie möchte ich im Alter bei Unterstützungsbedarf wohnen?“ Wie lautet Ihre Antwort?
Steffens: Also, wenn ich das heute entscheiden müsste, würde ich gern in einer Wohngemeinschaft wohnen. Also dort, wo zumindest noch drei andere wohnen, die genauso gerne Doppelkopf spielen wie ich.

Und die zweite Frage lautet: „Ist betreutes Wohnen in einer Genossenschaft vielleicht der richtige Weg?“
Steffens: Also, es ist ein richtiger Weg. Aber es ist nicht der einzige Weg. Es leben und wohnen ja viele Menschen alleine in ihrer Häuslichkeit oder bei einem anderen Vermieter. Aber von Genossenschaftsmodellen kann man viel lernen. Dennoch werden wir nie für alle Menschen in Nordrhein-Westfalen Genossenschaftsmodelle haben.

Und Sie können sich das für sich selbst vorstellen?
Steffens: Ich kann mir ganz viel vorstellen – vor allem dann, wenn es ein gutes Genossenschaftsmodell da gibt, wo ich meinen Lebensmittelpunkt haben möchte.

Ministerin Barbara Steffens
Foto: Ministerium für Gesundheit, Emanzipation,
Pflege und Alter des Landes NRW; Pressestelle

*Das Interview wurde mit freundlicher Genehmigung der Genossenschaftlichen Allgemeinen Zeitung (GAZ), 48046 Münster, E-Mai.: redaktion@genossenschaftliche-allgemeine.de abgedruckt.

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