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Generationenübergreifendes Wohnen in Berlin

Interview mit Dr. Rüdiger Kamp, Vorstandsvorsitzender der LBS Norddeutsche Landesbausparkasse Berlin-Hannover über die Studie „Generationenübergreifendes Wohnen in Berlin“

Gesellschaftlicher und demografischer Wandel führen zu veränderten Familien- und Lebensstrukturen und zu einem stetig ansteigenden Anteil älterer Menschen. Nach einer Prognose des Berliner Senats wird sich die Zahl der 80-Jährigen bis 2030 in Berlin nahezu verdoppeln. Daraus entstehen völlig neue Herausforderungen für den Wohnungsmarkt, denn die meisten Älteren möchten so lange wie möglich selbstbestimmt und eigenverantwortlich leben.

Um diese Problematik näher zu beleuchten, haben die Berliner Sparkasse und die LBS Norddeutsche Landesbausparkasse Berlin-Hannover (LBS Nord) das Forschungsinstitut „empirica“ beauftragt, die Lebenssituation und Pläne der zukünftig Älteren in Berlin zu untersuchen und innovative Wohnangebote zu recherchieren. Thema der Studie: „Generationenübergreifendes Wohnen in Berlin – Wünsche, Perspektiven, Erfordernisse.“

Daheim statt Heim sprach darüber mit Dr. Rüdiger Kamp, Vorstandvorsitzender der LBS Nord.

Daheim statt Heim: Herr Dr. Kamp, was hat Sie als Landesbausparkasse dazu bewogen, diese Studie in Auftrag zu geben?

Dr. Kamp: Unternehmerisches Handeln – egal in welcher Branche – muss auch immer gesellschaftspolitische Verantwortung wahrnehmen. Wir sind als Bausparkasse ja nicht nur Baufinanzierer, sondern haben schon immer auf dem Feld der Wohnungspolitik mitgemischt. Seit mehr als 20 Jahren geben wir in regelmäßigen Abständen Studien in Auftrag, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, wie die Menschen leben möchten. Die Ergebnisse werden gerne von Investoren und der Wohnungswirtschaft aufgegriffen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen ist die LBS zu einem Wegbereiter für das Wohnen in der dritten Lebensphase geworden. Wir verstehen uns vor allem als Initiator, der Anstöße für die Untersuchung des Wohnungsmarktes gibt. Inhaltlich verantwortlich bleibt jedoch immer das jeweils beauftragte Institut, in diesem Fall das Forschungsinstitut „empirica“, damit die Objektivität garantiert ist. Außerdem gehören viele unserer Kunden zu der sogenannten Generation 50Plus. Sie kommen zu uns, weil sie wissen, dass sie bei uns eine seriöse Beratung erhalten. Dazu gehört auch, die Bedürfnisse der Kunden zu verstehen.

Daheim statt Heim: Vielleicht können Sie uns ein paar der wichtigsten Ergebnisse aus der Studie nennen. Wie wollen die älteren Berliner leben?

Dr. Kamp: Das kann man sicherlich nicht über einen Kamm scheren, weil auch diese Gruppe mittlerweile sehr heterogen ist. Aber es gibt klare Tendenzen: Die meisten haben Vorbehalte gegenüber traditionellen Pflegeeinrichtungen und Wohnangeboten in Kombination mit Dienstleistungen. Daher steigt die Nachfrage nach alternativen Wohnangeboten. Laut der repräsentativen Umfrage von „empirica“ geben 62,7 Prozent aller Befragten gemeinschaftlichen Wohnformen den Vorzug. Darunter verstehen sie Zusammenleben mit Familie, Freunden oder Gleichgesinnten, entweder im selben Haus oder in der Nachbarschaft. Erstaunlich hoch ist auch die Veränderungsbereitschaft der zukünftig Älteren: Die Hälfte möchte noch einmal umziehen oder zieht es in Erwägung.

Daheim statt Heim: Sind die Ergebnisse berlinspezifisch oder liegen ähnliche Wünsche bundesweit vor?

Dr. Kamp: Der demografische Wandel ist ein europaweites Thema. Aber natürlich hat ein Großstädter in Berlin andere Wünsche als ein Bewohner eines Dorfes oder einer Kleinstadt.  Denn die Immobilie als Altersvorsorge bietet hier in der Stadt nur einer Minderheit Sicherheit für die Zukunft. Bei einer Wohneigentumsquote von derzeit nur knapp 14 Prozent wurde in Berlin weniger Vermögen in Form von selbst genutztem Wohneigentum aufgebaut. Die meisten Menschen wohnen zur Miete.

Daheim statt Heim: Was heißt das für die älteren Menschen in Berlin?

Dr. Kamp: Wie schon erwähnt: Viele suchen sich alternative Wohnformen. Berlin ist die Hochburg der privaten Baugemeinschaften und Wohnprojekte. Derzeit machen sie knapp 15 Prozent des Neubauvolumens aus – und die Nachfrage steigt weiter. Aktuell gibt es in Berlin rund 140 Baugemeinschaften und Wohnprojekte. Damit ist die Hauptstadt klarer Spitzenreiter. In der Studie werden einige ausgewählte Projekte vorgestellt, unter anderem der „Möckernkiez eG“, ein generationenübergreifendes, interkulturelles, barrierefreies und ökologisches Projekt mit fast 400 Wohneinheiten.
Aber auch einige Wohnungsbaugesellschaften haben sich bereits auf den Weg gemacht: In der vorliegenden Studie sind Beispiele aufgeführt, wie ein Wohnumfeld gestaltet werden muss, damit die Menschen dort gut alt werden können. Dies erfordert natürlich bauliche Veränderungen und die Integration bestimmter Wohnformen in die Quartiere, zum Beispiel betreute Senioren-Wohngemeinschaften. Darüber hinaus fördern diverse soziale Projekte und Service-Netzwerke den nachbarschaftlichen Zusammenhalt.

Daheim statt Heim: Noch ein Wort zum Schluss und zur möglichen Finanzierung solcher Projekte vielleicht?

Dr. Kamp: Die genannten Beispiele zeigen, dass die Bereitstellung von Gemeinschaftsbereichen und das Initiieren sozialer Projekte das generationenübergreifende Zusammenleben fördern. Hierzu bedarf es oft einer Anstoßfinanzierung durch das Wohnungsunternehmen oder der Zusammenarbeit mit Sponsoren.
Aber auch gesellschaftliches Engagement von Politik und Wohnungswirtschaft ist nötig. Ein Erfolgsmodell: Seit die „Netzwerkagentur GenerationenWohnen“, die die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 2008 ins Leben rief, die Entwicklung des gemeinschaftlichen und generationenübergreifenden Wohnens durch Beratungsangebote unterstützt, steigt die Nachfrage kontinuierlich. Dies trug maßgeblich dazu bei, dass Baugemeinschaften und Wohnprojekte aus der „exotischen Nische“ herauskamen.

Kostenloser Download der Studie unter http://www.lbs.de/nord/service/infomaterial/regionale-broschueren

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